Unbedingt empfehlenswert
Kino "A single man"
Wir befinden uns in den 60er Jahren. Ein Professor (Colin Firth) verliert durch einen Autounfall seinen Geliebten (Matthew Goode) und in der Folge jeglichen Halt in seinem Leben. Irgendwie schafft er es nach außen, soetwas wie "Normalität" aufrechtzuerhalten. Aber insgeheim bereitet er seinen Selbstmord vor. Ihm wird zu verstehen gegeben, daß er nicht auf der Beerdigung erwünscht ist und seine (alkoholkranke) beste Freundin (Julien Moore), legt ihm nahe, es doch mal mit ihr zu versuchen. Das Spielfilm-Regie-Debüt von Tom Ford ist ein Kunstwerk, das seinesgleichen in den letzten Jahren sucht. Es ist ein großes Vergnügen den Schauspielern zuzusehen, die geschliffenen Dialoge zu hören, die eleganten Bilder zu sehen.
Maxi-Single "Wonderful life" von Hurts
Wow, wenn ich mich auf eine Platte freue, dann ist es der Longplayer von Hurts. Bisher gibt es nur diese Maxi und es ist lange her, daß ein Lied (und das Video dazu) so viel Coolness und Lässigkeit versprüht hat. Die Erwartungen sind immens hoch und man kann daran grandios scheitern, aber dann bleibt immerhin diese Scheibe, die auch durch ihr Design Spaß macht. Popmusik wie man sie besser kaum machen kann.
CD "Refuge underneath" von Martial Canterel
Minimalelektronik führt zwar eher ein Schattendasein, aber glücklicherweise erhalten Projekte wie Bakterielle Infektion oder Echo West und nicht zu vergessen das Label Genetik dieses Genre mit immer neuen spannenden Veröffentlichungen. Neu entdeckt habe ich Martial Canterel. Entstanden sind die Aufnahmen zwischen 2004 und 2006. Der warme und erdige Sound versetzt mich zurück in die 80er Jahre ohne dabei antiquiert zu wirken. Die 18 Tracks sind sehr abwechslungsreich geraten und lassen keine Langeweile aufkommen.
Die Band Xeno & Oaklander vom gleichen Label (Wierd) werden im Frühjahr 2010 in Bochum ein Konzert geben.
Kino "Shutter Island" von Martin Scorsese
Zwei US-Marshalls (Leonardo DiCario, Mark Ruffalo) werden in eine psychiatrische Einrichtung für Schwerverbrecher auf einer Insel gesandt. Von dort ist eine Insassin verschwunden, ohne das es irgendeinen Anhaltspunkt gibt, wie sie entkommen sein könnte. Mit Fortschreiten der Ermittlungen scheint es so, als würden den Beamten Informationen vorenthalten, "Realität" und "Wahrnehmung" beginnen sowohl für den Zuschauer als auch für die Akteure zu verschwimmen. Der Spannungsbogen wird bis zum Ende unaufhörlich gespannt, bis die Geschichte in einem überraschenden Finale mündet. Nach dem meiner Ansicht nach überschätzten Film "Departed", gelingt Scorsese ein überaus unterhaltsamer und künstlerisch ansprechender Psychothriller. Die großartige Besetzung wird noch durch Ben Kingsley ergänzt.
CD "Fire like this" von Blood Red Shoes
Mein erster Kontakt mit dieser Band war ihr Auftritt als Vorband zu Maximo Park. Wahrlich keine leichte Aufgabe vor einer Band spielen zu dürfen, die für ihre Bühnenpräsenz bekannt ist. Aber die beiden von Blood Red Shoes rockten, daß es eine wahre Freude ist. Ich war sehr gespannt, ob die zweite Platte das Niveau hält und was soll ich sagen, es macht großen Spaß diesen beiden jungen Leuten zuzuhören. Da lese ich, es gäbe keine Weiterentwicklung. Nun ja, warum auch, wenn man sowieso schon begeisternd ist. Bloc Party z.B., mag ich, nach all der Weiterentwicklung, nicht mehr hören.
CD "De l'aimant" von Von Magnet
Das musikalische Universum dieser Formation heißt Electroflamenco und wird damit treffend beschrieben. Feuriges und leidenschaftliches Gitarrenspiel trifft auf elektronische Sounds. "De l'aimant" bildet dabei einen Höhepunkt in der Diskographie. Leichte Kost sind die Veröffentlichungen von Von Magnet nicht, sie bewegen sich seit über 20 Jahren im Spannungsfeld zwischen Experimentalmusik und "Folklore". Auf dieser CD gelingt die Symbiose durchgängig so begeisternd natürlich, das man sich der Wirkung nicht entziehen kann.
Kino "Das weiße Band" von Michael Haneke
Ein Dorf in Norddeutschland kurz vor dem ersten Weltkrieg ist der Schauplatz des neuen Films von Michael Haneke. In sehr ruhigen s/w Bildern erzählt er von einigen bis zum Schluß ungeklärten Ereignissen in diesem Ort. Sie bilden den roten Faden durch die Geschichte und sind doch nur Stationen auf der Reise durch diese Zeit. "Was will der Regisseur uns damit sagen?" war eine in einer Kritik gestellte Frage. Hanekes Filme lassen den Zuschauer oft mit Fragezeichen zurück, provozieren. Bei der Darstellung der strengen protestantischen Erziehung drängt sich natürlich die Frage auf, welchen Einfluß das auf diese Generation hatte, sieht man da schon den Nationalsozialismus am Horizont (war eine der Interpretationen))? Aber es steckt, denke ich, deutlich mehr dahinter und deutet bis in unsere Zeit. Es spricht sehr für diesen Film, daß man große Lust verspürt, danach zu diskutieren. Die ruhigen und langen Einstellungen wirken zunehmend eher beklemmend als beruhigend, wir werden unserer Phantasie "ausgesetzt", wenn wir das, was hinter den verschlossenen Türen passiert, nur erahnen können. Wie schon bei "Funny Games" von Haneke, greift hier ein ähnlicher Mechanismus. Fragt Haneke bei "F.G.", warum hast du dir diese ausweglose Gewalt angesehen? Du hättest zu jedem Zeitpunkt sagen können, das will ich nicht sehen und doch bleibt der Voyeur in dir sitzen. Man fühlt sich ertappt. Ähnlich funktioniert es bei "Das weiße Band", es scheint sich alles offensichtlich um historische gesellschaftliche Vorgänge zu drehen, es fällt uns leicht zu sagen, das ist alles lange her und betrifft uns eigentlich nur durch die historische Brille. Ist es so? Ein starker Film.
DVD "Mein wunderbarer Waschsalon" von Stephen Frears DVD "Verschwörung der Frauen" von Peter Greenaway
Es ist schon ein ziemlich unglaublich, wenn zwei Filme wie diese erst nach über 20 Jahren als DVD in Deutsch erscheinen. "Mein wunderbarer Waschsalon" ist ein Beispiel für das blühende britische Kino der 80er, in einer Zeit als Frau Thatcher gesellschaftlichen Kahlschlag durchsetzte, steigende Arbeitslosigkeit und Rassismus Normalität wurden. Vor diesem Hintergrund spielt die Geschichte von dem Pakistani Omar, der von seinem Onkel einen völlig heruntergekommenen Waschsalon bekommt und Johnny, der seine rechtsradikalen Freunde verläßt, um mit Omar diesen Salon zum Leben zu erwecken. Aus den beiden wird ein Paar und trotz aller Widrigkeiten gelingt ihnen das Unmögliche. Aber es ist kein Märchen und so gibt es kein Happy End. Humor- und kraftvoll erzählt Frears diese Geschichte, die aus der Feder von Hanif Kureishi stammt. Daniel Day-Lewis ist in seiner ersten großen Rolle als Johnny zu sehen.
Drei Jahre später hat Peter Greenaway "Die Verschwörung der Frauen" in die Kinos gebracht. Von Hause aus Maler gehört Greenaway zu den Ausnahmeerscheinungen des europäischen Kinos. Seine Filme erheben stets den Anspruch eines Gesamtkunstwerkes. So kann man diesen Film über drei Frauen (Großmutter, Mutter, Tochter), die Ihre Ehemänner beseitigen wollen, als sehr unterhaltsame Geschichte sehen oder man läßt sich auf die Struktur des Films ein und befindet sich plötzlich auf der Suche nach dem Zahlengerüst, das in die Erzählung eingeflochten ist. Die Bilder erscheinen teilweise wie gemalt. Unterstützt wird dies durch den barocken Soundtrack von Michael Nyman, der die meisten Filme Greenaways musikalisch begleitet hat.
CD "Consume adapt create" von Architect
Nicht oft höre ich ein reines Electronic Album komplett mit Vergnügen. Zur gleichen Zeit wie Architect bekam ich das neue Album von Somatic Responses und war zunächst auch davon sehr angetan, allerdings bricht die Spannung bei den letzten Titeln stark ab. Architect hält diese Spannung vom Anfang bis zum Ende durch. Es knarzt und fiept, Breakbeats bringen den Körper in Bewegung. Der Sound ist warm und organisch. Der Abwechslungsreichtum läßt keine Langeweile aufkommen. Bleibt zu wünschen, daß sich dafür ein paar mutige DJs finden lassen.
CD "Maison Skinny" von Divine Muzak
Sehr französisch mutet diese Elektronic CD durch ihre ergänzende Instrumentierung (Akkordeon, Klavier, Geige) und den Sprechgesang an. Irgendwo zwischen Experimental, Minimal und Pop bewegen sie sich, die zwei aus Rumänien stammenden Musiker hinter Divine Muzak. Obwohl man hört, daß die beiden viel Musik aus den 80er Jahren gehört haben, erzeugen sie keinen Aufguß des Jahrzehnts, sondern wirken eher zeitlos. Entspannt und ein bißchen verrucht schmeicheln sich die Titel ins Ohr. Es ist kein Hit Album, sondern ein Werk, das seine Stimmung und Spannung entwickelt und auf hohem Niveau trägt.
Kino "(500) days of Summer"
Als eine Liebesgeschichte die keine ist, könnte man diesen Film beschreiben. Junge trifft Mädchen, verliebt sich in sie, aber sie sagt ihm sehr bald, daß sie keine Beziehung sucht und fragt ihn, ob das für ihn in Ordnung sei. Ab diesem Zeitpunkt beginnen die Leiden des jungen Protagonisten, denn natürlich sagt er: "Ja, das ist überhaupt kein Problem." Untermalt durch einen wunderbaren melancholischen Soundtrack (The Smiths, The Temper Trap) begleiten wir das Paar durch alle Höhen und Tiefen. Eine Geschichte wie viele andere? Auf sehr originelle und witzige Art erzählt, durch großartige Schauspieler dargestellt (Joseph Gordon-Levitt aus "Brick", "Regeln der Gewalt", Zooey Deschanel aus "Manic", "The good girl") schafft es die moderne und kitschfreie Handlung, den Zuschauer von Tag 1 bis Tag 500 zu begeistern. Die deutsche Synchronisation ist in Ordnung, wer die Gelegenheit hat, sollte aber die Originalfassung wählen.
CD "Atlan" von Soriah und Ashkelon Sain
Ashkelon Sain ist der Kopf hinter der Band "Trance To The Sun" und sein Name war der Grund für mich, diese CD zu kaufen. Wenn man eine Schublade bemühen möchte, steht darauf Weltmusik. Verwurzelt ist die Musik von Soriah in der Tradition von (pre-) mexikanischen und indianischen Gesängen, sehr intensiv ist die Mischung aus kehligem Gesang, der mich an die Ritualgesänge tibetischer Mönche erinnert und percussiver Elemente. Die CD ist wirklich ein Klangerlebnis. Es gibt zwei weitere Veröffentlichungen, Hörproben sind im Netz verfügbar.
