Unbedingt empfehlenswert

Aufgrund der zahlreichen kulturellen Projekte in denen ich mitwirke, ist es mir zeitlich leider derzeit nicht möglich, ausführliche Buch/Film/Musik Besprechungen zu erstellen, deshalb beschränke ich mich auf die bloße Nennung empfehlenswerter Veröffentlichungen.

 

 

DVD "Frantz", "Toni Erdmann", "Closet Monster"

In diesen Tagen sind drei bemerkenswerte Filme des letzten Jahres auf DVD erschienen. Für mich war der Film des Jahres 2016 "Frantz". Francois Ozon zeichnet in bestechenden s/w Bildern eine atemberaubende Nachkriegsgeschichte (WK 1), die wirklich durch die ganze Palette menschlicher Emotionen führt.

An "Toni Erdmann" scheiden sich die Geister, von hymnischen Verissen bis zum genauen Gegenteil. Sicherlich ist das nicht jedermanns Humor. Was mich beeindruckt hat, ist die unglaublich intensive Darstellung der Tochter-Vater Beziehung. Selten sieht man derart nachvollziehbare Figuren in scheinbar unmöglichen Zusammenhängen. Ja, trotz der "verrückten" Szenen, fühlt sich alles echt an.

"Closet Monster" ist ein sehr origineller Coming Of Age Film, schmerzhaft, traurig, hoffnungsvoll. Eine kleine Produktion mit eindringlicher Stimme. Sehr sehenswert!

 

Film  "Eisenstein in Guanajuato"

Verspieltes und technisch umwerfendes Portrait über die Mexiko Reise des russischen Regisseurs Eisenstein. Peter Greenaway at its best!

 

Buch Jane Gardam "Ein untadeliger Mann"

Über ein halbes Jahrhundert begleitet dieser stille Roman zwei Menschen (in diesem Band überwiegendaus der Sicht des Ehemannes), die im Geist des britischen Empires aufwachsen und dessen Zerfall ihr Leben schleichend bis in kleinste Details berührt.

 

Buch Javier Marias "So fängt das Schlimme an"

Vor dem Hintergrund der Franco Diktatur entsteht ein "Miniatur-Panorama" um Schuld und Vergebung.

 

Kino "Nightcrawler"

Intensives Drama mit Jake Gyllenhaal um die manipulative Macht von Medien.

 

Kino "Citizenfour"

Der wichtigste Film des letzten Jahres.

 

Kino "Pride"

Bestes britisches Kino: politisch, witzig, skurril, ein Plädoyer für Solidarität, immens aktuell!!!

 

Kino "Ida"

Völlig zu Recht mit dem europäischen Filmpreis  und dem Oscar ausgezeichnet.

 

Buch "Selbst denken" - Einen Anleitung zum Widerstand von Harald Welzer

Immerhin habe ich in Teilbereichen tatsächlich mein Leben geändert, welches Buch schafft das schon?

 

CD "NDW - Aus grauer Städte Mauern"

4-teilige Doppel-CD Reihe, die umfangreichste Darstellung der Neuen Deutschen Welle, die nicht nur die üblichen Verdächtigen der Zeit würdigt, die ich kenne. Das Booklet (eher ein kleines Buch) mit ausführlichen Informationsmaterial.

 

Kino "The artist is present" Dokumentation

Auch zu diesem Film habe ich zunächst den Trailer gesehen, aber gedacht, "Ach du meine Güte, das muß ich nicht haben". Die Performance-Künstlerin Marina Abramovic setzt sich in einem Museum auf einen Stuhl und sieht Menschen an, die sich auf einem Stuhl direkt ihr gegenüber platzieren, nicht einen Tag, nicht eine Woche, nein, drei Monate, 8 Stunden am Tag. Das Museum war das Museum Of Modern Art in New York. Nachdem mir einige Kinogänger sehr bewegt von ihrem Besuch des Filmes erzählt haben, war meine Neugierde aber geweckt.

Der Film ist auf jeden Fall ein Gewinn!!! Fast möchte ich soweit gehen, ihn als einen Gewinn für mein Leben zu bezeichnen. Frau Abramovic ist kaum zu beschreiben, ohne dabei kitschig zu klingen oder esoterisch oder unrealistisch. Ähnlich wie einige der Menschen in dem Museum während der Performance geweint haben, standen auch mir am Ende des Films Tränen in den Augen und das hatte ganz viel mit "Liebe" zu tun. Ich weiß, es klingt absonderlich, aber ihre Kunst ist im positivsten Sinne "grenzüberschreitend". Welch ein Glück, diesen Film gesehen zu haben!!!

 

Kino "We need to talk about Kevin"

Als ich mich dafür entschied, diesen Film zu schauen, war mir nicht ganz klar, was mich erwartet. Den Trailer hatte ich zuvor gesehen, fand ihn spannend und Filme mit Tilda Swinton sind immer eine gute Wahl. Die Intensität der Story hat mich dann wirklich in den Sitz gedrückt. Worum geht es: Tilda Swinton spielt eine Mutter, die sich bereits in der Schwangerschaft unwohl mit ihrem Kind fühlt, und dieses Gefühl setzt sich nach der Geburt fort. Sie schafft es nicht, einen Bezug zu ihrem Sohn aufzubauen. Bezeichnend ist eine Szene, wo sie mit dem Kinderwagen neben einer Baustelle stehen bleibt, da der Presslufthammer die immerwährenden Schreie des Kindes übertönt. Ihr Ehemann hält ihre Klagen für übertrieben. Das ist die Vorgeschichte. Wir sehen den Sohn im Gefängnis. Er hat an seiner Schule einen Amoklauf begangen. Das ist der Ist-Zustand. Der Film blättert die Geschichte dieser Beziehung auf, zeigt das Leben der Mutter, daß einem Spießrutenlauf in der Stadt gleicht, zeigt einen zutiefst zynischen Sohn, der "Ablehnung" mit der Muttermilch aufgenommen hat. Im Gegensatz zu dem Film "Elephant" von Gus van Saint zum gleichen Thema, bekomme ich nicht stereotype Antworten serviert: keine Ballerspiele, keine Außenseiter aus sozial prekären Verhältnissen, etc.. Ezra Miller in der Rolle des Sohnes spielt beängstigend gut.

 

10.08.2012 Synthetic Beats Festival in Bochum, Bahnhof Langendreer mit The Klinik, Martial Canterel, Parade Ground, Echo West

Mein letztes Elektronik Konzert ist schon ein paar Tage her. Martial Canterel wollte ich aber unbedingt sehen, den weiten Weg über den großen Teich macht er nicht oft. Den Opener machte allerdings Echo West. Ein wenig hölzern war der Auftritt, aber durchaus solide. Es folgte Parade Ground, die ihre Wurzeln in den 80ern haben. Wow, das nenne ich mal Punk-EBM! Innovativ ist was anderes, doch die Energie, die von der Bühne ins Publikum transportiert wurde, war enorm, ein Elektrogewitter. Ich habe mir nach dem Auftritt auch ihre CDs angehört, bin davon jedoch nicht überzeugt. Das funktioniert wohl nur Live: brachial, rhythmisch, lärmend. Das hat die Ohrstöpsel verflüssigt. Der "Minimal-Elektronik-König" Martial Canterel verzichtete als einziger Act auf Video-Unterstützung, das war sehr angenehm und lenkte den Fokus auf den Künstler. Die Tonträger sind wundervoll, so auch der Live-Auftritt. Da ist ein wirklicher Könner an den Reglern, kein simpler Abruf von immer gleichen Sequenzen, da wird geschaltet und gedreht, das es eine wahre Freude ist. Macht Spaß das zu verfolgen. Die zur Tour erschiene CD "Empire" ist ebenfalls fantastisch. Gespannt war ich auch auf den Auftritt von The Klinik. Haben es die "alten Männer" noch drauf? Ja, haben sie! Ein überragender Abschluß eines energetischen Abends, das Publikum bekam, was es wollte, einen Querschnitt durch die Band-Geschichte. Schade war lediglich die überschaubare Anzahl der Zuhörer. Tja, das Durchschnittsalter war denn auch relativ hoch.

 

CD A Dead Forest Index "Antique"

Sehr schön! Melancholischer Indie-Pop mit Hit Potential. Zwar enthält diese EP nur 5 Stücke, aber die entfalten eine warme Herbst-Atmosphäre, als befänden wir uns in den 80ern. Der Gesang dominiert und wird sehr reduziert durch Schlagzeug und Gitarre unterstützt. Könnte eine 4AD Band sein. Mehr davon.

 

2-DVD "The Hour" (nur als englische Fassung erhältlich)

BBC Serien sind in der Regel qualitativ großartig, so bildet "The Hour" keine Ausnahme. In den 50er Jahren soll in der BBC ein neues Nachrichten Format präsentiert werden, eben "The Hour". Ein junges ambitioniertes Team wird zusammengestellt. In diese Zeit fällt die Suezkrise und der Einmarsch russischer Truppen nach Ungarn. Vor diesem Hintergrund wird ein feines Netz aus Thriller, Drama und Komödie gesponnen. Allen voran Ben Whishaw als idealistischer, zynischer Journalist, den nur eines interessiert, "die Wahrheit", auch wenn dies für ihn eine gefährliche Wendung nimmt. Die Serie ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, die Charaktere sind ausgefeilt und die Geschichte ist einfach spannend erzählt, falsche Fährten, interesssante Beziehungen zwischen den Figuren, Fernsehalltag in den 50ern, eine detailreiche Ausstattung. Hoffentlich kommen wir hier auch in den Genuß der Serie.

 

 

Konzert 22.09.2011 Münster  The Jezabels

Sarah sagte: Komm, lass' uns nach Münster zum Konzert fahren, bittebittebitte!!! Ich hatte noch nie etwas von The Jezabels gehört und war auf alles gefasst. Was sich dann auf der Bühne abspielte war kolossal. Eine kleine Frau rockte unterstützt von fantastischen Musikern das überschaubare Gleis 22. Wow, definitiv meine Neuentdeckung des Jahres. Die Band beweist ein tolles Gespür für Melodien und aus gutem Grund waren alle Tonträger ausverkauft. Reinhören bei Youtube, Anspieltip: "Hurt me".

 

Kino "Pina" von Wim Wenders

Ich bin weder ein Wim Wenders Fan noch ein 3-D Fan. Aber den Film über Pina Bausch erwartete ich schon mit Spannung. Bis dahin habe ich noch keinen Film gesehen, in der 3-D nicht überwiegend als Effekthascherei eingesetzt wurde. "Pina" ist wirklich der Erste, wo ich den Sinn von 3-D einsehe. Es werden Räume geöffnet und neue Räume geschaffen, aber eben als Unterstützung des Tanzgeschehens und nicht als vom Wesentlichen ablenkendes Element. Doch abgesehen von den Bildern überzeugt der Film durch seine Sensibilität, er ist bewegend, berauschend und tatsächlich wie ein kleines Denkmal für Pina Bausch. Die Mitglieder ihres Ensembles werden interviewt und zeichnen dabei ein unglaublich kunstvolles und menschliches Bild dieser Ausnahme-Künstlerin. Danke Herr Wenders!

 

 

Kino "127 Hours" von Danny Boyle

127 Stunden in einer Felsspalte sitzen, eingeklemmt durch einen Felsbrocken; ist das eine Geschichte, die einen 90 minütigen Spannungsbogen ermöglicht? Danny Boyle erzählt die wahre Geschichte in rasanter kurzweiliger Art, läßt niemals Langeweile aufkommen und presst uns Zuschauer in den Sitz. Ich habe physischen Schmerz bei mancher Szene empfunden. James Franco in der Figur des Protagonisten spielt seine Rolle sehr intensiv, und die fantastische Kamera unterstützt die sich dramatisch zuspitzende Story bis hin zur Selbstamputation. Atemberaubend!

 

 

CD "Passive Aggressive - Singles 2002-2010" von The Radio Dept.

Ein wunderbare Sammlung an Hits und seltenen Stücken präsentiert diese CD. Der typisch skandinavische melancholische Einschlag macht die noch kalten Tage erträglicher. Warmer Elektroniksound gepaart mit einer einschmeichelden Stimme erzeugen eine behagliche Kaminzimmer-Atmosphäre bei gedimmten Licht. Wer dies für gut befindet, muß dringend die Alben kaufen!

 

 

Kino "Das Herz von Jenin" Dokumentarfilm

Der palästinensische 11jährige Ahmed wird versehentlich von israelischen Soldaten erschossen, weil er mit einem Plastikgewehr spielt. Seine Kopfverletzungen sind so schwer, das die Körperfunktionen allein aufgrund der Maschinen aufrechterhalten werden. Der behandelde Arzt fragt in dieser schwierigen Situation den Vater, ob er bereit ist, die Organe des Sohnes zur Transplantation freizugeben und die Eltern willigen ein. Der Film erzählt die Geschichte der Kinder, die dadurch gerettet werden konnten, darunter ein jüdisches und ein drusisches Mädchen und die des Vaters, der diese Kinder regelmäßig besucht. Er zeigt, warum ein Frieden in der Region fast unvorstellbar erscheint. Dieser Film ist berührend und deprimierend; selbst das ein solches Zeichen der Menschlichkeit möglich ist, in einem Land voller Misstrauen, Angst und Unverständnis führt nicht dazu, daß der Zuschauer ein "Happy end" erlebt. Ein Film, wie eine Ohrfeige für uns alle.

 

 

 

Konzert 22.11.10 Interpol - Surfer Blood - Blue Angel Lounge

Die Westfalenhalle 2 verströmt den Charme einer Verbrauchermesse, da wird einem ganz frostig ums Herz. Erfreulich, daß die Bands trotzdem in der Lage waren, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Ausnahmsweise fange ich mit dem Hauptact an: Interpol sind zwar live eine eher "statische" Band, aber das paßt zu ihrer Musik, die selbst in dieser riesigen Halle etwas wie Intimität erzeugt. Ich fand den Auftritt souverän, aber von den Konzerten, die ich bisher gesehen habe, empfand ich ihn als eher schwach, aber natürlich reden wir hier von "schwach auf hohem Niveau". Die ersten Titel waren sowohl vom Sound als auch vom Zusammenspiel dürftig. Glücklicherweise hat die Stimme von Banks durchgehalten, das klang zunächst sehr nach Erkältung. Von der viel diskutierten dritten Platte wurde leider nichts dargeboten, aber Interpol schöpfen mittlerweile ja aus einem reichen Fundus an großartigen Songs.                                               Die Vorband Surfer Blood haben wirklich Spaß gemacht, ihr sehr hitverdächtiger Surfer-Sound hat sofort überzeugt. Allein das Auftreten der Band war sympathisch, der Sänger hatte schon etwas von einer Diva, er bewegte sich trotz Body mass index Oberliga einfach elegant extrovertiert auf der Bühne. Die CD läuft seit ein paar Tagen regelmäßig, ein Stimmungsaufheller!                           Die eigentliche Überraschung des Abends war für mich allerdings die junge Band Blue Angel Lounge. Sie war vorher nicht angekündigt und kam durch den Kontakt zu dem Interpol Gitarristen Daniel Kessler zu diesem Auftritt. Oft genug erlebt man es bei Konzerten, daß die Vorbands ignoriert werden, weil der Bierstand einfach interessanter scheint. Als wir bei der Halle ankamen und der Gig von Blue Angel Lounge schon lief, bot sich allerdings ein anderes Bild, der Raum war gut gefüllt und die Zuschauer waren sichtlich angetan von der Musik. Ihr flächiger und raumfüllender Sound erinnert an die Zeit von Velvet Underground, psychedelisch, percussionlastig, atmosphärisch. Wenn man bedenkt, daß die Bandmitglieder im Schnitt etwa 20 Jahre alt sind, bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung. Zwei CDs sind bereits auf dem Markt. Wie sang Andrew Eldritch so schön:  "I want more".

 

 

Kino "Der kleine Nick"

Wenn ich an Kinderfilme denke, fallen mir natürlich spontan die Helden meiner Kinheit ein: Michel und Pippi. Bei meinem letzten Lindgren Kino Besuch (vor ca. 1 Jahr) saß hinter mir ein Kind, daß irgendwann zu seiner Mutter sagte "Mir ist langweilig" und auch einige andere Kinder fanden Michel einfach uncool. Tja, deshalb vielen Dank für "Der kleine Nick", der ebenso uncool und altmodisch, aber umso charmanter und humorvoller ist. Nick befürchtet ein Geschwisterchen zu bekommen und da man munkelt, daß sich einige Dinge ändern, wenn sich ein Baby ankündigt, z.B. das man ausgesetzt wird, weil die Eltern es sich nicht leisten können,  zwei Mäuler zu stopfen, schmieden Nick und seine Freunde (einer reich, einer dick, einer dumm, alle großartig besetzt) Entführungspläne. Es entspinnt sich eine phantasievolle und unglaublich lustige Geschichte, erzählt aus der Sicht der Kinder. Das spärlich mit ausschließlich Erwachsenen besetzte Kino klang, als wäre es ausverkauft! Trotzdem auch für Kinder geeignet!

 

Kino "Mary & Max"

Die 8-jährige Mary lebt in Australien, die Mutter trinkt, der Vater tackert in einer Fabrik die Fäden an Teebeutel oder stopft in seiner Freizeit Tiere aus. Freunde hat sie keine, deshalb sucht sie sich einen Brieffreund. Die Zufallswahl durch den Finger im New Yorker Telefonbuch trifft auf Max, dessen Alltag sehr stark strukturiert ist, denn er leidet am Asperger-Syndrom, jede Veränderung in seinem Leben führt zu Panikattacken, so auch Mary's Brief. Trotzdem entwickelt sich eine eigenwillige Freundschaft, nicht ohne Schwierigkeiten. Es ist erstaunlich, wie man eine so charmante Geschichte mittels Knetfiguren erzählen kann, über sehr ernste Themen und trotzdem viel viel lacht. Dagegen sind (die hochgeschätzten) Wallace & Gromit Klamauk. Ebenfalls sehenswert der mit einem Oscar ausgezeichnete Kurzfilm des Regisseurs "Harvie Krumpet".

 

Kino "Renn' wenn Du kannst"

Ben sitzt im Rollstuhl, querschnittsgelähmt seit einem Autounfall. Zynismus und Ironie sind seine Waffen gegen seine Umwelt, die ihn z.B. bei einer Partner-Web-Side für Behinderte anmelden möchte (seine Mutter). Der neue Zivi Christian, der keine Lust auf Schikane durch Ben hat, ist ein willkommener Reibungspunkt in seinem Leben. Durch Annika, die eher zufällig in die Geschichte stolpert, obwohl Ben sie vom Balkon aus schon lange mit seinem Fernglas beobachtet hat, wird die Dreieckskonstellation perfekt. Der Film macht keinerlei Umwege, kennt keine Peinlichkeit, ist immer offensiv und manchmal gnadenlos. Niemals wirkt das beeindruckende Spiel von Robert Gwisdek in der Rolle als Ben übertrieben oder aufgesetzt. Wir gehen mit über die Schmerzgrenze(n) und trotzdem hat der Film viel (schwarzen) Humor. Tolles Drehbuch, tolle Darsteller!!!

 

Kino "A single man"

Wir befinden uns in den 60er Jahren. Ein Professor (Colin Firth) verliert durch einen Autounfall seinen Geliebten (Matthew Goode) und in der Folge jeglichen Halt in seinem Leben. Irgendwie schafft er es nach außen, soetwas wie "Normalität" aufrechtzuerhalten. Aber insgeheim bereitet er seinen Selbstmord vor. Ihm wird zu verstehen gegeben, daß er nicht auf der Beerdigung erwünscht ist und seine (alkoholkranke) beste Freundin (Julien Moore), legt ihm nahe, es doch mal mit ihr zu versuchen. Das Spielfilm-Regie-Debüt von Tom Ford ist ein Kunstwerk, das seinesgleichen in den letzten Jahren sucht. Es ist ein großes Vergnügen den Schauspielern zuzusehen, die geschliffenen Dialoge zu hören, die eleganten Bilder zu sehen.

 

Maxi-Single "Wonderful life" von Hurts

Wow, wenn ich mich auf eine Platte freue, dann ist es der Longplayer von Hurts. Bisher gibt es nur diese Maxi und es ist lange her, daß ein Lied (und das Video dazu) so viel Coolness und Lässigkeit versprüht hat. Die Erwartungen sind immens hoch und man kann daran grandios scheitern, aber dann bleibt immerhin diese Scheibe, die auch durch ihr Design Spaß macht. Popmusik wie man sie besser kaum machen kann.

 

CD "Refuge underneath" von Martial Canterel

Minimalelektronik führt zwar eher ein Schattendasein, aber glücklicherweise erhalten Projekte wie Bakterielle Infektion oder Echo West und nicht zu vergessen das Label Genetik dieses Genre mit immer neuen spannenden Veröffentlichungen. Neu entdeckt habe ich Martial Canterel. Entstanden sind die Aufnahmen zwischen 2004 und 2006. Der warme und erdige Sound versetzt mich zurück in die 80er Jahre ohne dabei antiquiert zu wirken. Die 18 Tracks sind sehr abwechslungsreich geraten und lassen keine Langeweile aufkommen.

Die Band Xeno & Oaklander vom gleichen Label (Wierd) werden im Frühjahr 2010 in Bochum ein Konzert geben.

 

Kino "Shutter Island" von Martin Scorsese

Zwei US-Marshalls (Leonardo DiCario, Mark Ruffalo) werden in eine psychiatrische Einrichtung für Schwerverbrecher auf einer Insel gesandt. Von dort ist eine Insassin verschwunden, ohne das es irgendeinen Anhaltspunkt gibt, wie sie entkommen sein könnte. Mit Fortschreiten der Ermittlungen scheint es so, als würden den Beamten Informationen vorenthalten, "Realität" und "Wahrnehmung" beginnen sowohl für den Zuschauer als auch für die Akteure zu verschwimmen. Der Spannungsbogen wird bis zum Ende unaufhörlich gespannt, bis die Geschichte in einem überraschenden Finale mündet. Nach dem meiner Ansicht nach überschätzten Film "Departed", gelingt Scorsese ein überaus unterhaltsamer und künstlerisch ansprechender Psychothriller. Die großartige Besetzung wird noch durch Ben Kingsley ergänzt.

 

CD "Fire like this" von Blood Red Shoes

Mein erster Kontakt mit dieser Band war ihr Auftritt als Vorband zu Maximo Park. Wahrlich keine leichte Aufgabe vor einer Band spielen zu dürfen, die für ihre Bühnenpräsenz bekannt ist. Aber die beiden von Blood Red Shoes rockten, daß es eine wahre Freude ist. Ich war sehr gespannt, ob die zweite Platte das Niveau hält und was soll ich sagen, es macht großen Spaß diesen beiden jungen Leuten zuzuhören. Da lese ich, es gäbe keine Weiterentwicklung. Nun ja, warum auch, wenn man sowieso schon begeisternd ist. Bloc Party z.B., mag ich, nach all der Weiterentwicklung, nicht mehr hören.

 

CD "De l'aimant" von Von Magnet

Das musikalische Universum dieser Formation heißt Electroflamenco und wird damit treffend beschrieben. Feuriges und leidenschaftliches Gitarrenspiel trifft auf elektronische Sounds. "De l'aimant" bildet dabei einen Höhepunkt in der Diskographie. Leichte Kost sind die Veröffentlichungen von Von Magnet nicht, sie bewegen sich seit über 20 Jahren im Spannungsfeld zwischen Experimentalmusik und "Folklore". Auf dieser CD gelingt die Symbiose durchgängig so begeisternd natürlich, das man sich der Wirkung nicht entziehen kann.

 

Kino "Das weiße Band" von Michael Haneke

Ein Dorf in Norddeutschland kurz vor dem ersten Weltkrieg ist der Schauplatz des neuen Films von Michael Haneke. In sehr ruhigen s/w Bildern erzählt er von einigen bis zum Schluß ungeklärten Ereignissen in diesem Ort. Sie bilden den roten Faden durch die Geschichte und sind doch nur Stationen auf der Reise durch diese Zeit. "Was will der Regisseur uns damit sagen?" war eine in einer Kritik gestellte Frage. Hanekes Filme lassen den Zuschauer oft mit Fragezeichen zurück, provozieren. Bei der Darstellung der strengen protestantischen Erziehung drängt sich natürlich die Frage auf, welchen Einfluß das auf diese Generation hatte, sieht man da schon den Nationalsozialismus am Horizont (war eine der Interpretationen))? Aber es steckt, denke ich, deutlich mehr dahinter und deutet bis in unsere Zeit. Es spricht sehr für diesen Film, daß man große Lust verspürt, danach zu diskutieren. Die ruhigen und langen Einstellungen wirken zunehmend eher beklemmend als beruhigend, wir werden unserer Phantasie "ausgesetzt", wenn wir das, was hinter den verschlossenen Türen passiert, nur erahnen können. Wie schon bei "Funny Games" von Haneke, greift hier ein ähnlicher Mechanismus. Fragt Haneke bei "F.G.", warum hast du dir diese ausweglose Gewalt angesehen? Du hättest zu jedem Zeitpunkt sagen können, das will ich nicht sehen und doch bleibt der Voyeur in dir sitzen. Man fühlt sich ertappt. Ähnlich funktioniert es bei "Das weiße Band", es scheint sich alles offensichtlich um historische gesellschaftliche Vorgänge zu drehen, es fällt uns leicht zu sagen, das ist alles lange her und betrifft uns eigentlich nur durch die historische Brille. Ist es so? Ein starker Film.

 

DVD "Mein wunderbarer Waschsalon" von Stephen Frears                                                       DVD "Verschwörung der Frauen" von Peter Greenaway

Es ist schon ein ziemlich unglaublich, wenn zwei Filme wie diese erst nach über 20 Jahren als DVD in Deutsch erscheinen. "Mein wunderbarer Waschsalon" ist ein Beispiel für das blühende britische Kino der 80er, in einer Zeit als Frau Thatcher gesellschaftlichen Kahlschlag durchsetzte, steigende Arbeitslosigkeit und Rassismus Normalität wurden. Vor diesem Hintergrund spielt die Geschichte von dem Pakistani Omar, der von seinem Onkel einen völlig heruntergekommenen Waschsalon bekommt  und Johnny, der seine rechtsradikalen Freunde verläßt, um mit Omar diesen Salon zum Leben zu erwecken. Aus den beiden wird ein Paar und trotz aller Widrigkeiten gelingt ihnen das Unmögliche. Aber es ist kein Märchen und so gibt es kein Happy End. Humor- und kraftvoll erzählt Frears diese Geschichte, die aus der Feder von Hanif Kureishi stammt. Daniel Day-Lewis ist in seiner ersten großen Rolle als Johnny zu sehen.

Drei Jahre später hat Peter Greenaway "Die Verschwörung der Frauen" in die Kinos gebracht. Von Hause aus Maler gehört Greenaway zu den Ausnahmeerscheinungen des europäischen Kinos. Seine Filme erheben stets den Anspruch eines Gesamtkunstwerkes. So kann man diesen Film über drei Frauen (Großmutter, Mutter, Tochter), die Ihre Ehemänner beseitigen wollen, als sehr unterhaltsame Geschichte sehen oder man läßt sich auf die Struktur des Films ein und befindet sich plötzlich auf der Suche nach dem Zahlengerüst, das in die Erzählung eingeflochten ist. Die Bilder erscheinen teilweise wie gemalt. Unterstützt wird dies durch den barocken Soundtrack von Michael Nyman, der die meisten Filme Greenaways musikalisch begleitet hat.

 

CD "Consume adapt create" von Architect

Nicht oft höre ich ein reines Electronic Album komplett mit Vergnügen. Zur gleichen Zeit wie Architect bekam ich das neue Album von Somatic Responses und war zunächst auch davon sehr angetan, allerdings bricht die Spannung bei den letzten Titeln stark ab. Architect hält diese Spannung vom Anfang bis zum Ende durch. Es knarzt und fiept, Breakbeats bringen den Körper in Bewegung. Der Sound ist warm und organisch. Der Abwechslungsreichtum läßt keine Langeweile aufkommen. Bleibt zu wünschen, daß sich dafür ein paar mutige DJs finden lassen.

 

CD "Maison Skinny" von Divine Muzak

Sehr französisch mutet diese Elektronic CD durch ihre ergänzende Instrumentierung (Akkordeon, Klavier, Geige) und den Sprechgesang an. Irgendwo zwischen Experimental, Minimal und Pop bewegen sie sich, die zwei aus Rumänien stammenden Musiker hinter Divine Muzak. Obwohl man hört, daß die beiden viel Musik aus den 80er Jahren gehört haben, erzeugen sie keinen Aufguß des  Jahrzehnts, sondern wirken eher zeitlos. Entspannt und ein bißchen verrucht schmeicheln sich die Titel ins Ohr. Es ist kein Hit Album, sondern ein Werk, das seine Stimmung und Spannung entwickelt und auf hohem Niveau trägt.

 

Kino "(500) days of Summer"

Als eine Liebesgeschichte die keine ist, könnte man diesen Film beschreiben. Junge trifft Mädchen, verliebt sich in sie, aber sie sagt ihm sehr bald, daß sie keine Beziehung sucht und fragt ihn, ob das für ihn in Ordnung sei. Ab diesem Zeitpunkt beginnen die Leiden des jungen Protagonisten, denn natürlich sagt er: "Ja, das ist überhaupt kein Problem." Untermalt durch einen wunderbaren melancholischen Soundtrack (The Smiths, The Temper Trap) begleiten wir das Paar durch alle Höhen und Tiefen. Eine Geschichte wie viele andere? Auf sehr originelle und witzige Art erzählt, durch großartige Schauspieler dargestellt (Joseph Gordon-Levitt aus "Brick", "Regeln der Gewalt", Zooey Deschanel aus "Manic", "The good girl") schafft es die moderne und kitschfreie Handlung, den Zuschauer von Tag 1 bis Tag 500 zu begeistern. Die deutsche Synchronisation ist in Ordnung, wer die Gelegenheit hat, sollte aber die Originalfassung wählen.

 

CD "Atlan" von Soriah und Ashkelon Sain

Ashkelon Sain ist der Kopf hinter der Band "Trance To The Sun" und sein Name war der Grund für mich, diese CD zu kaufen. Wenn man eine Schublade bemühen möchte, steht darauf Weltmusik. Verwurzelt ist die Musik von Soriah in der Tradition von (pre-) mexikanischen und indianischen Gesängen, sehr intensiv ist die Mischung aus kehligem Gesang, der mich an die Ritualgesänge tibetischer Mönche erinnert und percussiver Elemente. Die CD ist wirklich ein Klangerlebnis. Es gibt zwei weitere Veröffentlichungen, Hörproben sind im Netz verfügbar.